Vechelder Schüler pilgern auf dem Jakobsweg in Nordspanien

Rund 2.000 km von Vechelde entfernt liegt Fromista, ein kleiner Ort nahe der spanischen Stadt Burgos. In Fromista kehren seit Jahrhunderten Pilgerer ein und starten am nächsten Morgen dann zur 16. Etappe des Jakobsweges, des berühmten Pilgerweges durch Nordspanien nach Santiago de Compostela. An einem noch sommerlich warmen Dienstag im Spätherbst starteten in Fromista auch zwei Dutzend Schülerinnen und Schüler der Jahrgänge 9 und 10 des Julius-Spiegelberg-Gymnasiums (JSG) Vechelde.

Mit bequemem Schuhwerk, Proviant und gemeinsam mit den spanischen Gastgeber-Schülern ging es auf die gut 19 km lange Strecke nach Carrión de los Condes. Eine anstrengende, aber interessante Erfahrung.

Die Pilgertour ist Teil einer zehntägigen Schüler-Austauschfahrt unter Leitung der JSG-Lehrerinnen Kornelia Mensendiek und Inés Sánchez nach Burgos, dem Gegenbesuch des diesjährigen Spanienaustauschs des JSG Vechelde mit der spanischen Partnerschule IES Pintor Luis Sáez. Im April war die Schülergruppe aus Burgos bereits zehn Tage zu Gast in Vechelde. Die Schülerinnen und Schüler kannten sich also schon gut.

Und dennoch ist die Aufregung vor der Ankunft in Burgos noch groß: Wie wird es genau sein bei der Gastfamilie? Wird die Verständigung klappen? Die jungen Gäste aus Vechelde werden in ihren Austauschfamilien sehr herzlich begrüßt und mit leckerem Essen bewirtet: Tortilla de patatas (Kartoffelomelett), Jamón serrano (spanischer Schinken) und allerlei spanischen Köstlichkeiten mehr. Ungewohnt ist allerdings die abendliche Essenszeit um 22 Uhr, sehr viel später als daheim. Kleiner Trost: Die Schule beginnt erst um 8.30 Uhr, eine Stunde später als am JSG.

Zum Frühstück gibt es in spanischen Familien meist eine Schale mit Milch, in die Kekse, Muffins oder Croissants eingetunkt werden. Ebenfalls ungewohnt! Und unerwartet ist auch das Wetter zu Beginn des Aufenthalts: Regen und sogar deutlich kühler als vorher Zuhause.

Aber schon nach zwei Tagen wird es schöner. Der Pilgertour auf dem Jakobsweg steht also nichts mehr im Wege. Die spanischen Gastgeber haben ein vielseitiges Programm vorbereitet.

Natürlich gehört dazu die Besichtigung der Stadt Burgos mit ihrer beeindruckenden Kathedrale. Auch Burgos liegt auf dem Jakobsweg. So begegnen die Gäste aus Vechelde in der Kathedrale auch vielen Pilgern.

Beeindruckend ist auch der Ausflug nach Salamanca, einer der wichtigsten Universitätsstädte Spaniens mit vielen historischen Bauwerken, die zum Weltkulturerbe zählen. Salamancas Universität von 1218, die im kommenden Jahr ihren 800. Geburtstag feiert, gehört zu den ältesten Universitäten Europas. Dort studierte einst auch der spanische Eroberer Hernán Cortés, der für die spanische Kolonialmacht Mexiko eroberte, ebenso der Schriftsteller Cervantes, Autor der berühmten Geschichte von Don Quijote, dem „Ritter von der traurigen Gestalt“. 

Weitere Programmpunkte: Die Teilnahme am Unterricht und andere Aktivitäten in der Partnerschule, wie die Gestaltung eines T-Shirts mit Symbolen des Jakobswegs; ebenso ein gemeinsames Picknick mit vielen spanischen Spezialitäten. Und am Wochenende machen die Gastfamilien Ausflüge zu weiteren Sehenswürdigkeiten Nordspaniens.

Abschluss und weiterer Höhepunkt der Austauschfahrt ist eine Besichtigung der Hauptstadt Madrid mit vielen Stationen: Königspalast, Plaza Mayor und Puerta del Sol (zwei zentrale Plätze in Madrid), das Parlament und das Museum Königin („Reina“) Sophia.

Die letzten Stunden vor der Rückreise vom Flughafen Madrid verbringen die Vechelder im Erholungspark Retiro-Parque. Mit allerlei Souvenirs und vielen Einblicken in spanische Kultur und Lebensart geht es dann auf den Rückflug.

Europäische Woche am Julius-Spiegelberg-Gymnasium Vechelde

Europa und Weltoffenheit einmal ganz praktisch erleben! Am Julius-Spiegelberg-Gymnasium in Vechelde war dies in den letzten 10 Tagen Realität. 24 spanische und 26 französische Schülerinnen und Schüler zwischen 14 und 16 Jahren mit jeweils zwei begleitenden Lehrkräften waren gleich nach den Osterferien zu Gast. Der Höhepunkt in dem reichhaltigen Programm: Ein gemeinsamer europäischer Abend mit Schülern, Eltern und Lehrern.

Alle zwei Jahre organisiert die Schule Austauschprogramme mit ihren Partnerschulen in Burgos in Nordspanien und im französischen Villers-Cotterêts gut eine Autostunde nördlich von Paris. Erstmals fanden in diesem Jahr beide Austauschprogramme parallel statt und wurden von den Lehrerinnen Martina Heinsohn (Frankreich) und Kornelia Mensendiek (Spanien) gemeinsam vorbereitet. Untergebracht waren die Gastschüler wie immer in den Familien deutscher Schüler und bekamen so einen Einblick in den hiesigen Alltag.

Ausflüge nach Quedlinburg, Hötensleben, Wolfsburg und Berlin boten den ausländischen Gästen vielfältige Eindrücke von Deutschland: über historische Fachwerkhäuser, die Geschichte der deutschen Teilung, über Volkswagen mit einer Werksführung und die Autostadt und in der Hauptstadt über das Holocaust-Memorial, den Blick aus Kuppel des Reichstagsgebäudes, die Eastside Gallery und die Goldene Else, um nur einige zu nennen.

Ein besonderes Erlebnis war für alle der gemeinsame europäische Abend. Die stellvertretende Schulleiterin des Julius-Spiegelberg-Gymnasiums, Petra Wassmann, begrüßte die Gäste zu dieser internationalen Feier, verteilte Erinnerungsbuttons und bedankte sich bei Schülern, Eltern und Lehrern: „Nur durch Ihren Einsatz ist ein solcher Austausch und ein solches Fest möglich“.

Ein von allen selbst zubereitetes reichhaltiges deutsch-französisch-spanisches Büffet mit verschiedensten Leckereien sorgte für das leibliche Wohl und nicht selten für die Qual der Wahl, Sketche der französisch-deutschen Gruppe für abwechslungsreiche Unterhaltung.

Mit einer Gemeinschaftsaktion unter dem Motto „Humanity First“ („Menschlichkeit zuerst“) unterstrichen die Schüler der drei Nationen die Bedeutung europäischer Werte in der aktuellen politischen Situation. Sie skandierten z.B. „Solidarité en premier“ (Solidarität zuerst), „Truth first“ (Wahrheit zuerst) oder „Menschenrechte zuerst“. Kornelia Mensendiek, Koordinatorin der Austauschaktivitäten, stellte die besondere Bedeutung dieses interkulturellen Austausches für die Schule heraus: „Die Erfahrungen, die die Schüler in den Gastfamilien und in der Gastschule sammeln, bieten eine einmalige Gelegenheit, das andere Land näher kennenzulernen. So lassen sich Vorurteile abbauen. Dies fördert Weltoffenheit und letztlich auch das Zusammenwachsen Europas, was gerade in der aktuellen politischen Situation besonders wichtig ist.“

Neue Freundschaften sind in dieser Zeit im Nu entstanden und der Abschied war tränenreich. Eine spanische Schülerin sprach beim Abschied vielen aus der Seele: „Me quedaría tres meses más“ („Ich würde gern noch drei Monate bleiben“). Für die spanische Gruppe gibt es bereits Aussicht auf ein baldiges Wiedersehen schon im Oktober 2017. Denn dann geht es vom Julius-Spiegelberg-Gymnasium aus auf Reisen nach Burgos. Der Besuch aus Vechelde in Frankreich hat schon im Herbst 2016 stattgefunden. Aber der nächste kommt bestimmt.