Aus dem Beruf: Politiker - Schülerinnen und Schüler des Vechelder Gymnasiums fragen und Carsten Müller antwortet


Wie sieht der Arbeitstag eines Bundestagsabgeordneten in Berlin aus? Das und mehr konnten wir, 23 Schülerinnen und Schüler des Julius-Spiegelberg-Gymnasiums, am 6. Juli 2022 bei unserer Exkursion nach Berlin erfahren. Hier hatten wir die Gelegenheit, den Braunschweiger Abgeordneten Carsten Müller all das zu fragen, was wir schon immer einmal wissen wollten und was - zumindest bis jetzt - so nicht im Internet stand.

Pünktlich um 7.52 Uhr starteten wir am Bahnhof Vechelde. Endlich - 3 Stunden später - kamen wir in Berlin an und hatten noch genug Zeit, durch die Straßen der Hauptstadt zu spazieren. Kanzleramt, Reichstagsgebäude und Brandenburger Tor durften natürlich nicht fehlen. Um 12 Uhr war es soweit: Nach einer kurzen Sicherheitskontrolle nahm uns im Paul-Löbe-Haus Ronny Richter, der Mitarbeiter von Carsten Müller, in Empfang. Er stellte uns den typischen Tagesablauf der Abgeordneten vor. Die Sitzungswochen sind streng durchstrukturiert, denn es stehen immer viele Themen auf der Agenda und es gibt diverse Sitzungen in unterschiedlichen Konstellationen. Auch während der Mahlzeiten wird meistens gearbeitet. Beim parlamentarischen Frühstück oder auf parlamentarischen Abenden adressieren Vertreter von Verbänden und Institutionen für sie relevante Themen und vertreten ihre Interessen. In den sitzungsfreien Wochen engagieren sich die Abgeordneten in ihren Wahlkreisen, berichten über Ergebnisse und sammeln neue Themen. Ihre Woche hat oft 70 bis 80 Arbeitsstunden.

Wie gut alle Termine durchgeplant sind, haben wir bei unserem Besuch live erlebt. Kaum hatte Herr Richter seine Einführung beendet, erschien Carsten Müller und wir konnten unsere Fragen stellen.

Kurz vor den Sommerferien interessierte uns natürlich das Thema Urlaub. Herr Müller erklärte uns, dass die Abgeordneten während ihrer sitzungsfreien Wochen zwar relativ frei in der Zeiteinteilung seien, viel Zeit für Urlaub bleibe jedoch nicht. Selbst die Wochenenden sind bei Politikern oft verplant. Wenn man einen hohen Anspruch an eine Work-Life-Balance hat, rät Carsten Müller vom Politikerberuf ab. Für ihn selbst scheinen aber die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit zu verschwimmen, denn Politik ist für ihn ein Hobby, das er zum Beruf machen konnte.

Als Politiker ist man viel unterwegs. Herr Müller ist die Hälfte des Jahres nicht zu Hause. Wir wollten wissen, wie wichtig Fremdsprachenkenntnisse sind. Carsten Müller spricht fließend Englisch, hat das Große Latinum, kann aufgrund seiner Lateinkenntnisse sinnerfassend Spanisch, Französisch und Italienisch verstehen und ist sogar in der Lage, etwas Rumänisch zu lesen. Er erzählt uns, dass die Fremdsprachenkompetenzen der einzelnen Politiker*innen unterschiedlich stark ausgeprägt sind. Auf Dienstreisen wird teilweise verdolmetscht, aber eben nicht immer. Zur Not könne man auch mal googeln. In jedem Fall nehmen wir mit, dass es hilfreich ist, mehrere Sprachen zu sprechen.

Politiker einer Fraktion sind nicht immer einer Meinung. Herr Müller erklärt uns, dass es absolut keinen Fraktionszwang gibt, da das dem Artikel 38 des Grundgesetzes widerspreche, denn jeder Abgeordnete besitze ein freies Mandat und sei bei der Wahrnehmung seines Amts weder an Aufträge noch an Weisungen gebunden, sondern lediglich seinem Gewissen unterworfen. Was es aber gibt, ist eine Art Fraktionsdisziplin. Wenn man die Fraktionsmeinung nicht teilt, muss man keine Konsequenzen befürchten, sollte das aber ankündigen. Er betont, dass man keine Angst davor haben muss, gegen seine Partei zu stimmen. Auch er hatte mehrmals eine andere Meinung als die Mehrheit der CDU, so z.B. in der Energiepolitik. Wenn ein Abgeordneter jedoch immer andere Ansichten vertrete und seine eigene Partei mehr kritisiere als die anderen, solle er sich Gedanken machen, ob er im richtigen Team spiele.

Als Bundestagsabgeordneter setzt sich Carsten Müller in Berlin für die Interessen der Menschen und Unternehmen aus Braunschweig und dem Braunschweiger Land ein. Ob man ihn in diesem Zusammenhang als Lobbyist oder Anwalt bezeichnet, ist ihm egal. Wichtig ist vielmehr, dass diejenigen, die auf ihn zukommen, ihre echten Interessen deutlich machen. Und sie können sicher sein, dass er dazu ehrlich seine Meinung sagen werde, wobei es, wie bei anderen Abgeordneten auch, Fälle gibt, in denen er aus unterschiedlichsten Gründen nichts sagen kann oder will.

Berlin ist eine tolle Stadt - Braunschweig aber auch. Die Frage, wo es ihm besser gefalle, ist auch für Carsten Müller nicht so einfach zu beantworten. Beide Städte haben ihren Charme. Anfangs sei Berlin für ihn schon „großes Kino“ gewesen. Inzwischen schätze er es, dass er im Wahlkreis unterwegs sein könne. Das können wir gut nachvollziehen, denn die Tagesabläufe sind sehr unterschiedlich und in Berlin eben auch sehr stark durchgetaktet.

Nach diesem spannenden Gespräch haben wir das Holocaust-Mahnmal besucht. Anschließend war Freizeit angesagt: Ob essen gehen, shoppen, Sehenswürdigkeiten besichtigen oder einfach nur stundenlang mit der U-Bahn fahren, wir alle haben die Zeit genossen. Um 19.35 Uhr ging es für uns dann wieder mit dem Zug zurück.

Die Reise hat uns nicht nur viel Spaß gemacht, sondern uns auch faszinierende Einblicke in den Arbeitsalltag der Abgeordneten in Berlin geliefert. Und vielleicht hat so manch eine oder einer von uns auch seinen Traumberuf entdeckt. In jedem Fall werden wir uns den Rat des Juristen und Politikers Carsten Müller zu Herzen nehmen und erst eine Ausbildung oder ein Studium absolvieren.

(Leoni Reinema)


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