Henriette Meyer, Schülerin des Julius-Spiegelberg-Gymnasiums, siegt im Finale des Rhetorik-Wettbewerbs in Braunschweig


„Islam in Deutschland: Bereicherung oder Bedrohung für das gesellschaftliche Leben?“

„Soziale Netzwerke – ein Fluch oder Segen?“

Diese beiden Fragestellungen standen am 12. Juni den elf Finalisten des Rhetorik-Wettbewerbs im Franziskussaal des Theologischen Zentrums in Braunschweig zur Auswahl. Bereits im Februar hatten sich die Redner/innen bei zwei Vorentscheidungen, die von der Kreissparkasse Gifhorn/Wolfsburg und der Öffentlichen Versicherung in Braunschweig veranstaltet wurden, qualifiziert.

Der Jury, bestehend aus Dr. Jan Eckhoff (Landesschulbehörde, Abteilung Braunschweig), Stefanie Fischer (Dramaturgin am Staatstheater BS), Thomas Hofer (Oberlandeskirchenrat), Dr. Jenny Jakisch (TU Braunschweig) sowie einer Vertreterin der Öffentlichen Versicherung und der Sparkasse Gifhorn/Wolfsburg, fiel es bei so viel geballter rhetorischer Kompetenz, mit der in fünfminütigen Reden hervorragend vorbereitete Schülerinnen und Schülern punkteten, nicht leicht, drei auszuzeichnen.

Wer also hatte in den zu bewertenden Bereichen „Sachkenntnis, Originalität, verbales Ausdrucksvermögen, Aufbau der Rede, Argumentation, Körpersprache“ den stärksten Eindruck hinterlassen?

Neben Henriette Meyer vom Julius-Spiegelberg-Gymnasium hatten auch die Zweitplatzierte Alman Siano vom Gymnasium Julianum in Helmstedt und die Drittplatzierte Vale Elß vom Braunschweiger Wilhelm-Gymnasium die Jury ganz besonders in ihren Bann gezogen, denn sie alle verkörperten ein beeindruckendes Maß an Differenziertheit in der Herangehensweise und Durchdringung der Problematik sowie eine Anschaulichkeit im Ausdruck, die faszinierte.

Henriette eröffnete ihre Rede mit einem Zitat von Narvid Kermani, in dem er, der Muslim, die Gäste in der Paulskirche bei der Verleihung des Friedenspreises des deutschen Buchhandels darum bittet, für verfolgte Christen in Syrien und im Irak zu beten, „damit wir den Snuffvideos der Terroristen ein Bild unserer Brüderlichkeit entgegenhalten.“ (Den vollständigen Redetext können Sie unten nachlesen.)

Den bekannten Bildern eines Terrors, der den Islam für verbrecherische Ziele instrumentalisiert, stellte Henriette Meyer Bilder einer gelungenen Integration gegenüber.

In der Laudatio wurde hervorgehobenen, dass Henriette sehr authentisch und fesselnd gesprochen und ihre Stimme gezielt eingesetzt habe. Die geschickt gewählten Zitate und insbesondere das Beispiel des Paderborner Schützenkönigs, eines Muslims, als Beispiel einer gelungenen Integration würden in Erinnerung bleiben.

Wer Gedanken wie diese so überaus überzeugend vortragen kann, hatte das Lob der Jury verdient, und das wurde mit großer Begeisterung auch erteilt.

Henriettes Rede wird in den Braunschweiger Beiträgen zur Religionspädagogik publiziert werden. 

Klaus Nührig

 

Der Redetext von Henriette Meyer:

 „Und so bitte ich Sie, meine Damen und Herren, beten Sie für Jacques Mourad, beten Sie für Paolo Dall'Oglio, beten Sie für die Christen von Qaryatein, beten Sie oder wünschen Sie sich die Befreiung aller Geiseln und die Freiheit Syriens und des Iraks (…), damit wir den Snuffvideos der Terroristen ein Bild unserer Brüderlichkeit entgegenhalten.“

Ich habe Navid Kermani zitiert. Mit diesen Worten schloss er seine Rede bei der Verleihung des Friedenspreises des deutschen Buchhandels. Auf Youtube kann man sich anschauen, wie dabei alle Gäste in der Paulskirche sich erheben. Und auch wenn sie nicht alle beten: Alle wirken betroffen. Navid Kermani, der Muslim, betet für das Leben seiner christlichen Freunde in Syrien.

Ich weiß, die grausamen Terroranschläge der vergangenen Jahre machen uns Angst. 9/11, Breitscheidplatz, Charlie Hebdo: Die Attentäter behaupten von sich, sie handelten im Namen des Islam. Wir seien die „Ungläubigen“, die es zu vernichten gelte.

Diese Bedrohung spüren wir auch im Alltag. Konzerte, Weihnachtsmärkte, Fußballspiele: Überall herrschen erhöhte Sicherheitsmaßnahmen. Wo man hinschaut: Polizisten und Maschinengewehre. Unbeschwertheit adé!

Aber ist der Islam schuld?

Ist wirklich der Islam für all das verantwortlich? Gibt es überhaupt den Islam?

Wir wissen doch: Unzählige Auslegungen lässt der Koran zu. Nein, nicht der Islam ist schuld! Es sind Menschen, die ihre Religion instrumentalisieren. Sie wollen Hass und Gewalt.  

So viele Muslime leben in der dritten oder vierten Generation in Deutschland. Sie haben sich Existenzen aufgebaut und pflegen gute Nachbarschaft und Freundschaften zu Christen und Atheisten. Niemand muss dafür seine Identität aufgeben. Sie leben nach den Geboten des Islam, gehen in die Moschee, feiern Ramadan, und sie gehören zu uns.  

Ein schönes Beispiel ist Emin Özel aus Paderborn. Er ist der wohl bundesweit erste türkischstämmige Schützenkönig. Wie geht das zusammen? Ein Schützenkönig, der kein Bier trinkt und keine Bratwurst isst? Paderborn ist vorwiegend katholisch und gilt als konservativ. Trotzdem hat es funktioniert. Die Paderborner Schützenkameraden kennen ihren Emin. Bei seinem Sieg schlug ihm nur Freude und Zustimmung entgegen.

Leider gibt es in unserer Gesellschaft auch die andere Seite. Islamophobie und Fremdenhass sind keine Seltenheit. Das dürfen wir nicht schönreden.

Jeder absoluter Wahrheitsanspruch einer Religion ist zum Scheitern verurteilt. Die eine wahre Religion gibt es nicht! Aber gleichberechtigt können Juden, Christen und Muslime in Frieden miteinander leben. Dazu gehört nur gegenseitiger Respekt und Toleranz.

Wir müssen nicht alle religiösen Haltungen und Handlungen befürworten. Aber wir müssen bereit sein, uns auf das Fremde einzulassen. Wir müssen einander kennenlernen. Das Beispiel hat gezeigt: Begegnungen und Dialoge können Vorurteile und Missverständnisse aus dem Weg räumen.

Navid Kermani erzählt in seiner Friedenspreisrede von Christen in Syrien, die sich nach ihren eigenen Worten in den Islam verliebt haben. Er erzählt von Nonnen und Mönchen, die mit ihren syrischen Freunden Ramadan feiern.  Dieses Paradies hat der Terrorismus zerstört.

Aber das darf nicht unseren Glauben zerstören: Egal, ob Christ oder Muslim, schwarz oder weiß, jung oder alt; wir sind Menschen und voller Gemeinsamkeiten. Der Kern unserer Ethik beruht auf Nächstenliebe und Barmherzigkeit. Wir sind verschieden. Aber genau das macht  die Bereicherung aus.

Nur in der Begegnung mit dem Fremden öffnen wir unser Weltbild. Das ist die Voraussetzung im Zeitalter der Globalisierung.

Ob wir den Islam als Bedrohung oder Bereicherung empfinden, liegt letztendlich an uns selbst. Eine Verteufelung einer Religion wäre ein Verrat an unseren aufklärerischen Idealen.  Ein Verrat an Lessing, ein Verrat an all dem, woran wir glauben.

Lassen wir die Terroristen nicht gewinnen, denn Hass und Spaltung sind genau das, was sie erreichen wollen! Ich glaube fest daran, dass unsere Demokratie stärker ist als Terror und Islamophobie.

Tun wir es den Paderbornern gleich! Reichen wir unseren muslimischen Mitbürgern die Hand!


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