„Recht und Gerechtigkeit?“ – Eine Exkursion in die JVA Hannover

Ist das deutsche Rechtssystem auch gerecht?

Wie beurteilen verurteilte Straftäter das Rechtssystem?

Und wie sieht das Machtgefüge innerhalb eines Gefängnisses aus?


Diese Fragen stellten sich die Schülerinnen und Schüler des WPKs „Macht und Medien“ von Herrn Preis sowie des Werte und Normen Kurses des 11. Jahrgangs von Frau Schlordt, der sich in diesem Semester mit dem Thema „Recht und Gerechtigkeit“ beschäftigt. Um eben diese Fragen zu beantworten und einen persönlichen Einblick vor Ort zu erhalten, durften die Kurse am 23.10.2018 die Justizvollzugsanstalt Hannover im Rahmen einer Exkursion besuchen.

 

Ein Bericht aus Sicht eines Schülers:

 

Mit Zug und S-Bahn ging es am Dienstag um 8:30 Uhr nach Hannover. Am Gefängnis angekommen, mussten wir erst einmal in die Schleuse des äußeren Zauns, bevor wir die eigentliche Anlage betreten konnten. Im Eingangsbereich wurden wir von Herrn Landgraf empfangen. Dieser ist für die Öffentlichkeitsarbeit der JVA Hannover zuständig. Ohne Handy und Personalausweis, aber mit Besucherkarte der JVA führte uns Herr Landgraf in einen Konferenzraum. Dort erhielten wir eine interessante Präsentation von ihm. Inhalt dieser waren u.a. die verschiedenen Vollzugsstufen, die von Stufe IV(niedrig) bis I(höchste) gehen – die JVA Hannover ist ein Gefängnis der Stufe III – und einen genaueren Einblick in die Gefangenenzahlen der JVA Hannover, in der bis zu 600 Straftäter untergebracht werden können und die als Transportbehörde für bis zu 13.500 Verlegungen pro Jahr zuständig ist. Außerdem sprach Herr Landgraf über den Alltag eines Wärters und eines Gefangenen. Fragen waren während dieses Vortrags gern gesehen. So gab es im Anschluss an die Präsentation noch eine Fragerunde, in der wir uns stark beteiligten. Herr Landgraf merkte in diesem Zusammenhang an, dass er ein großes Problem bei den Wiederholungstätern sehe, da diese besonders schwer zu resozialisieren seien. Er meinte, dem könne man vorbeugen, indem man bei Jugendlichen früher damit beginnen würde, Haftstrafen zu vollhängen, um ein Abrutschen in kriminelle Kreise zu verhindern. (An diesem Punkt tauschten die Schülerinnen und Schüler vielsagende Blicke aus.) Allerdings sei das Problem ebenfalls auf einen hohen Personalmangel im Vollzug zurückzuführen, so Landgraf. Änderungen wären an diesem Punkt von Nöten.

Nach dem Gespräch mit Herrn Landgraf wurden wir von diesem in die Transportbehörde der JVA geführt. Hier zeigte er uns eine der 8m2 großen Transportzellen, die zurzeit nicht belegt war. In der Transportbehörde bekamen wir außerdem die seltene Möglichkeit mit einen Insassen zu sprechen. Dieser „arbeitet“ für das Gefängnis und muss nach einer Verlegung die Transportzellen säubern. Er sitzt u.a. für ein Gewaltverbrechen, für Betrug und für mehrere Delikte im Straßenverkehr ein. Er erzählte uns auch, dass er seit bereits 17 Jahren immer wieder für einige Zeit ins Gefängnis musste. Auf die Frage, warum er immer wieder straffällig werde, meinte er, dass er nie eine wirkliche Familie bzw. Freunde gehabt habe, die ihn hätten unterstützen können. Allerdings war er auch der Meinung, dass man, sobald man entlassen werde, ziemlich alleine da stehe – vor allem, wenn man keine Familie habe, die auf einen wartet. An dieser Stelle müsse der Staat eingreife, um ehemaligen Straftätern einen besseren Start zurück in die Gesellschaft zu verschaffen. Ob das deutsche Rechtssystem wirklich gerecht sei, sei eine schwierige Frage – was sei schon gerecht? Zudem gebe es im Gefängnis keine Freunde, sondern nur Zweckgemeinschaften sowie eine Hierarchie, an dessen Ende die Pädophilie stehe.

Im Anschluss des „Interviews der etwas anderen Art“ zeigte uns der Gefangene, der sich inzwischen als Karsten vorgestellt hatte, seine Zelle, die ebenfalls 8m2 groß war und auch eine Toilette beherbergte. An den Wänden sahen wir viele Fotos von Karstens Haustieren sowie seinen Kindern. Die Gitterstäbe am Fenster hatte der Gefangene mit einem Tuch bedeckt: So sei die Gefängniszelle gemütlicher. Zum Schluss stellte ein Schüler die Frage, ob sich der Insasse denn nun bessern möchte, sobald er wieder draußen sei. Karsten bejahte diese Frage sofort, da er jetzt zwei Kinder habe, die auf ihn warten würden, ihn unterstützen. Er würde ein Leben in „Freiheit“ anstreben.

Damit war unser Besuch der JVA Hannover zu Ende. Wir verabschiedeten uns bei Karsten und Herrn Landgraf. Dieser brachte uns zurück zum Ausgang des Gefängnisses, wo wir unsere Handys und Ausweise zurückerhielten. Die Exkursion endete, als wir um 14:30 Uhr wieder in Vechelde waren: Im Gegensatz zu Karsten waren wir wieder in „Freiheit“.

Janik Blau


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