Unsere AbiturientInnen gestalten ihren Abi-Gottesdienst

"Das Schiff im Hafen ist sicher vor dem Sturm. Aber dafür wurde es nicht gebaut."


Wie stimmungsvoll ein Abschied mit dem Kanon in D-Dur von Johann Pachelbel eingeleitet werden kann, bewiesen in der ev. Christuskirche in Vechelde auf eine wunderschöne Weise Julia Hoeren (Querflöte) und Johanne Böhm (Violoncello). Ein Abschied, bei dem voller Dankbarkeit auf das zurückgeblickt wurde, was unsere Abiturientinnen und Abiturienten durch ihre Familie, Freunde und Lehrer/innen erfahren haben, ein Abschied, der aber zugleich ein Aufbruch ist, denn – das wurde in diesem Gottesdienst betont – ein Schiff wurde nicht gebaut, damit es im sicheren Hafen liegt. „Wir haben 18 Jahre lang an unserem Schiff gearbeitet, haben es mit Wissen gefüllt und Werten ausgestattet. Nun liegt es an uns, dieses Wissen und diese Werte hinaus in die Welt zu tragen. (…) Jeder Kapitän trägt die Verantwortung für sein eigenes Schiff. (…) Vor allem unsere Familie und unsere Freunde müssen sich darauf vorbereiten, die Taue loszulassen, während wir bereit sein müssen, unseren Anker zu lichten.“

Das Motto „Abituri-Enten“ ihres Abijahrgangs griffen Johanne Böhm, Adrian Breiding, Marleen Herberg,  Cliona Heydorn,  Julia Hoeren,  Hanna Kassebaum, Ann-Sophie Meier und Chantal Rase auf, um mit Motiven wie Schiff, Hafen, Reise, Wind, Meer, Anker und Leuchtturm in poetischen Bildern ihre Lebenswege zu veranschaulichen, denn „sicher und geborgen in seinem Ei“ lebte das Küken, „vor der Welt bewahrt und behütet“, und steht nun nach der schulischen Laufbahn vor ganz neuen Entscheidungen.

Ohne Leuchttürme wird es bei allem Lebensmut nicht gehen. „Der Leuchtturm ist ein Symbol für alles, das uns hilft, wenn wir mal die Orientierung verlieren. Uns werden sicher viele Menschen begegnen, die neue Wege aufzeigen und uns helfen, unser persönliches Festland zu finden. Dafür brauchen wir natürlich erst einmal eine richtige Richtung. Und das Wichtigste: Im großen, weiten Meer des Lebens zeigen die Leuchttürme uns Gefahren, die wir besser umschiffen und meiden sollten. (…) Freundschaft ist wie ein Leuchtturm: Man kann ihn deutlich sehen, wenn es hell ist. Doch sein wahrer Zweck wird erst offenbart, wenn er durch den Sturm und die Dunkelheit leuchtet. Jeder hier hat seine persönlichen Leuchttürme, und auch wenn es manchmal schwierig scheint, dürfen wir nicht aufgeben, sondern werden versuchen das Licht in der Dunkelheit zu sehen.“

Auf Schiffchen aus Papier wurden von den Besucher/innen des Gottesdienstes Wünsche für unsere AbiturientInnen auf die große Schautafel geklebt, und Johanne schloss, stellvertretend für alle, mit der Fürbitte: „Wir bitten dich auch darum, dass du uns immer eine Quelle der Kraft bleibst. Wir bitten darum, dass unseren Lehrern die Freude am Beruf nicht verloren geht und sie die nach uns kommenden Schüler mit der gleichen Kraft und Inspiration unterstützen können. Und wir bitten dich um die Möglichkeit, uns einen neuen Hafen aufzubauen und irgendwann dort anzukommen, wo wir hingehören.“

Die Kollekte diente der „Flüchtlingshilfe e.V. Braunschweig“. „Wir sind der Meinung, dass Sprache der Schlüssel zur Bildung zu einem harmonischen Miteinander und zum Erfolg ist. Und wie Sie auch alle wissen und vermutlich durch die Nachrichten erfahren, flüchten immer noch viele Menschen über das Meer zu uns. Da wir nun erfolgreich unseren Schulabschluss erhalten haben, möchten wir auch anderen Bildung ermöglichen und das Geld der Kollekte an das Refugium in Braunschweig spenden, um professionelle Sprachkurse für Flüchtlinge zu ermöglichen.“

Wir Gäste bedanken uns bei den acht AbiturientInnen und Herrn Pastor Kinkel für diesen nachdenklichen, mit Worten, Bildern und auch musikalisch auf eine bewundernswerte Weise gestalteten Gottesdienst.

Klaus Nührig


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