"Volksfeinde im Visier“ - Die Stasi und ihre Untersuchungshaftanstalt Hohenschönhausen


Ein unscheinbarer Stadtteil in Berlins Osten: Hohenschönhausen. Hierher verirrt man sich als Tourist eigentlich nicht. Der Politik-Wirtschaftskurs des 12. Jahrgangs hat sich diesen Ort jedoch ganz bewusst ausgesucht...

An einem wirklich schaurig nassen, windigen und kalten Dezembermorgen trifft sich der PoWi-Kurs des 12. Jahrgangs um kurz nach sieben am Braunschweiger Hauptbahnhof. Ziel: Berlin. Soweit, so gut.
In Berlin angekommen rattern wir mit der Tram eine halbe Stunde in den Osten der Stadt. In Hohenschönhausen angekommen, geht es zu Fuß weiter. Am Ende der Straße dann hohe Mauern, ein schäbiger Wachturm und der vergitterte Eingang. Angekommen.

Das Gelände gehörte zum ehemaligen sowjetischen Untersuchungsgefängnisses Hohenschönhausen im gleichnamigen Stadtteil von Berlin. Heute ist es ein Museum mit mehr als 400.000 Besuchern im Jahr. Noch vor dreißig Jahren war diese Gegend für die meisten DDR-Bürger eine Terra incognita, ein vom DDR-Regime gut verschleierter geheimer Ort, ein Sperrgebiet. Hier landete man unvorbereitet, ohne Vorwarnung. Viele der hier Gefangenen wussten nicht einmal selbst, wo sie sich befanden.

Die Geschichte dieses Ortes beginnt in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Hier befand sich zuerst eine Großküche der "Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt". Nach der Zerschlagung von Nazi-Deutschland 1945 wurde das Gelände von der sowjetischen Militärregierung beschlagnahmt und in das "Speziallager Nr. 3" für Internierte der sowjetischen Geheimpolizei NKWD umfunktioniert. Die Kellerräume des Gebäudes hatte man zu Gefängniszelle umbauen lassen. Wegen der unterirdischen Zellen und dem fehlenden Tageslicht bekam das Gefängnis unter Gefangenen den Namen „U-Boot“.Wenn man in eine dieser kalten und feuchten Zellen hineinschaut, in der über den Holzpritschen Tag und Nacht Licht brannte, mit einem Eimer als Toilette, kann man sich kaum vorstellen, dass hier gleichzeitig sechs Menschen zusammen eingesperrt werden konnten.

Im März 1951 übernahm das kurz zuvor gegründete Ministerium für Staatssicherheit (im Volksmund: Stasi) das Kellergefängnis und machte es zu seiner "Zentralen Untersuchungshaftanstalt". Hier wurden politische Häftlinge inhaftiert, die sich gegen das kommunistische Regime auflehnten. Zu ihnen gehörten die Anführer des Volksaufstandes vom 17. Juni 1953 oder in Ungnade gefallene Politiker. Hier wurden auch Menschen gefangen gehalten, die in den Westen fliehen wollten oder diejenige, die einen Ausreiseantrag stellten, ebenso wie politisch Andersdenkende.

In den 60er Jahren wurde zwecks der Verbesserung der Haftbedingungen ein Gefängnisneubau in Betrieb genommen, das 102 Einzel- und Gruppenzellen hatte. Alle 15 Minuten ging die Türriegel auf, um zu sehen, was der Häftling gerade macht. Die Gefängnisadministration wollte mit allen Mitteln Selbstmorde im Gefängnis verhindern, weil dies dem Image der noch jungen DDR hätte schaden können.

Neben der dauerhaften Überwachung nahmen die Verhöre einen großen Teil des Häftlingsalltags ein. „Während der Stalin-Zeit bis 1953 gehörte zu den Verhörmethoden hauptsächlich physische Gewalt. Ab den 60er Jahren wurden Geständnisse vor allem durch psychische Gewalt herausgepresst“, sagt der Pressechef des Museums André Kockisch. Verhöre wurden seitdem von ausgebildeten Psychologen zu jeder Tages- und Nachtzeit geführt.

Bis 1989 wurden in Hohenschönhausen etwa 11.000 Menschen gefangen gehalten. Für viele Schüler ist es ein Ort, der die dunkle Geschichte der DDR erzählt. Und auch ein Ort, an dem die junge Generation inzwischen kuriose Relikte der Vergangenheit erleben kann - wie die Wählscheibentelefone, Schreibmaschinen oder die gelben, stark ausdünstenden Linoleumfußbodenbeläge. Für einige vor allem ältere Besucher verbindet sich der Ort oft mit düsteren Erinnerungen - manchmal auch an die eigene gestohlene Lebenszeit.

Unser Zeitzeuge an diesem Tag ist Thomas Raufeisen. Er begleitet uns, erläutert, stellt Fragen und lässt uns erschauern, ob der Geschichte dieses Ortes. Erst zum Ende der Führung erfahren wir mehr über diesen Mann, der diesen Ort als Insasse erlebt und erlitten hat. Sein Vater, damals Geophysiker beim Industrieunternehmen Preussag in Hannover, war als Inoffizieller Mitarbeiter für das Ministerium für Staatssicherheit tätig. 1979 drohte ihm eine Verhaftung wegen Spionage, so dass die Familie Raufeisen in die DDR ausreisen musste. Unter dem Vorwand, den kranken Großvater in Ostdeutschland zu besuchen, fuhren die Kinder gemeinsam mit ihren Eltern über den Transit Richtung Berlin nach Ahlbeck. Dort erfuhren die Brüder zum ersten Mal den Hintergrund der Reise sowie alles über die Tätigkeit des Vaters. Der minderjährige Thomas Raufeisen konnte im Gegensatz zum älteren Bruder Michael die Einbürgerung nicht verweigern und musste somit in der DDR bleiben. 1980/1981 misslangen mehrere Fluchtversuche der Familie. Der nun 19jährige Thomas wurde wegen "ungesetzlichen Grenzübertritts" und "landesverräterischer Agententätigkeit" zu drei Jahren Haft verurteilt. Nach Verbüßung der Haft erhielt er 1984 eine Ausreisegenehmigung und reiste zurück in die Bundesrepublik.

Michael Aepkers


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