Weihnachtsandacht to go


Hörversion der Weihnachtsandacht

Liebe Schülerinnen und Schüler, liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Eltern,
ich habe in diesen Tagen mit Schülerinnen und Schülern Der Grinch gesehen. Der Film basiert auf dem Kinderbuch des US-amerikanischen Kinderbuchautors Theodor Seuss Geisel, besser bekannt als Dr. Seuss. Der Grinch, ein haariger waldmeisterwackelpuddinggrüner, grießgrämiger Bewohner der Stadt Whoville hasst Weihnachten. Er hasst die Fröhlichkeit, die bunten Lichter, das geschäftige Treiben in den Straßen, die Geschenke und all das, was die Whos, so heißen die Bewohner Whovilles, daraus machen. Er hasst es und er hasst sie, die Fröhlichen, die geschäftig in den Straßen unterwegs sind, die das Weihnachtsessen vorbereiten, die Geschenke kaufen, Weihnachtslieder singen und Haus und Hof in ein Meer aus tausend Lichtern verwandeln. Er hasst all das. Und so beschließt er die größte Gemeinheit, die größte Schlechtigkeit schlechthin: Er will den Whos Weihnachten stehlen.
An dieser Stelle des Filmes holte mich die Realität ein. Ich sah meine Schülerinnen und Schüler vor mir sitzen. Szenario B. Abstand rechts, links, hinten, vorne. Eine jede und ein jeder von ihnen eine bunte Mund-Nasen-Bedeckung im Gesicht. Aus ihren Erzählungen weiß ich, dass einige von ihnen große Sorgen haben. Sie sorgen sich um ihre Eltern, die jeden Tag zur Arbeit müssen oder im Homeoffice sind. Sie sorgen sich um ihre Großeltern, die sie teilweise schon lange nicht mehr gesehen haben. Sie haben Angst um ihre Geschwister. Sie vermissen es, sich mit Freundinnen und Freunden zu verabreden; am Nachmittag –  nur ein paar Stunden. Die Älteren vermissen die ein oder andere Party, die man mit 16, 17, 18 so feiert. Sie alle müssen sich im Homelearning organisieren.
Viele Menschen haben in diesen Tagen Angst. Angst um Leib und Leben, Angst um die eigene Existenz. Viele Menschen sind von Kurzarbeit betroffen und von Arbeitslosigkeit bedroht. Theater, Kino, der Besuch im Restaurant, vielleicht das Gänseessen im Verein oder die Weihnachtsfeier mit Kolleginnen und Kollegen – all das fällt in diesem Jahr aus. Manche wissen nicht einmal, wo und mit wem sie Weihnachten feiern können.
Viele Menschen sind in diesem Jahr einsam. Ich denke da an die Menschen, die in Pflegeeinrichtungen leben und keinen Besuch werden bekommen können. Ich denke an die Studierenden, die allein in ihren Wohnungen auf die Semesterunterbrechung warten, um doch noch irgendwie nach Hause zu fahren. Ich denke an die Menschen, mit denen es das Schicksal nicht gut gemeint hat im Leben. Ich denke an die Kinder, die keine Geschenke bekommen werden. Ich denke an die Menschen, die ihre Familien nicht besuchen können, weil sie Angst haben, Familienmitglieder anzustecken oder vielleicht in Quarantäne sind. Ich denke an die Menschen, die in den Krankenhäusern liegen und keinen Besuch bekommen dürfen. Ich denke an die, die auf den Intensivstationen beatmet werden müssen, die allein sind und nicht wissen, ob sie Weihnachten überhaupt erleben. Mir fällt ein Radiobeitrag ein, den ich in der letzten Woche gehört habe. Eine Krankenschwester erzählte dort, was sie jeden Tag erlebt. Sie war den Tränen nah. Ich denke auch an die, die jeden Tag ihren Dienst tun, ihrer Arbeit nachgehen, um Kranke gesund zu machen, Einsamen die Einsamkeit nehmen, uns mit Lebensmitteln versorgen und uns mit ihren Waren bei Laune halten. Ich denke an die, die Kinder betreuen, die nicht ihre eigenen sind, obwohl die eigenen Kinder vielleicht ohne Betreuung sind.
Der Grinch will den Bewohnerinnen und Bewohnern Whovilles Weihnachten stehlen, weil er gemein ist, weil er verbittert ist.  Das Corona-Virus will uns Weihnachten nicht stehlen. Es ist keine Strafe für etwas, das Menschen getan haben oder nicht getan haben. Es ist einfach da und trotzdem scheint es uns Weihnachten zu stehlen. Angesichts von Beherbergungsverbot, Reiseeinschränkungen und anstehendem Lockdown wirkt es gemein, fies und verbittert, die schlechteste Schlechtigkeit von allen – fast so als hasste es alle Freude und Fröhlichkeit, alle Gemeinschaft und allen Zusammenhalt.
Die Stimmung wird in diesen Tagen rauer, unfreundlicher, distanzierter. Bei uns allen liegen die Nerven blank, hatten wir doch alle im März gehofft, dass die Pandemie Weihnachten ausgestanden sein würde. Wir alle reden in diesen Tagen viel über Hygiene und Abstand und den Schutz des Nächsten, doch hören wir einander weniger zu. Wir erwarten viel voneinander, spornen uns zu Höchstleistungen an, doch geben wir wenig aufeinander acht. Wir schützen uns gegenseitig, doch gehen wir wenig aufeinander ein. Viele Menschen sehen in diesen Tagen nur sich selbst. Viele sind wütend und enttäuscht, können sie Weihnachten doch in diesem Jahr nicht so feiern wie gewohnt.
In der Bild-Zeitung las ich vor einigen Tagen die Weihnachtsgeschichte reformuliert unter Corona-Bedingungen. Die Heiligen drei Könige wegen Reiseeinschränkungen unerwünscht, die Hirten wegen Versammlungsverbot ein jeder mit seinen Schafen allein. Jesus wahrscheinlich nicht im Stall geboren, sondern als Hausgeburt in Nazareth und nicht in Bethlehem wegen des Beherbergungsverbots. König Herodes unter Quarantäne und die Engel wegen Nachtschicht auf der Intensivstation. Also kein Engelschor zur Verkündigung der Geburt des Jesus Kindes, keine Geschenke, kein Weihrauch, keine Myrrhe und auch sonst nichts für das Baby Jesus. Was für ein blöder Geburtstag. Weihnachten ausgefallen.
Die Weihnachtsgeschichte im Original ist dieser Geschichte nicht so unähnlich. Jesus wird unter widrigen Bedingungen geboren. Er ist mit seinen Eltern allein – als Kernfamilie sozusagen – unter sich. Die Familie ist auf sich allein gestellt. Die Eltern schaffen es, dem kleinen Jesus so viel Rückhalt zu geben, dass aus ihm diese Persönlichkeit werden kann, die bedingungslos in sich, die Welt und Gott vertrauen kann. Ein Mensch, der die Gemeinschaft mit anderen Menschen sucht und die Liebe zum Nächsten über alles stellt. Einer, der keine Angst kennt, nicht mal am Kreuz verliert er sein Vertrauen in Gott, die Welt und die Menschen. Der christliche Glaube deutet Jesus Christus als Gott, der in Jesus die Gemeinschaft mit den Menschen und durch den Heiligen Geist die Gemeinschaft unter den Menschen sucht. Unabhängig davon, ob wir dem christlichen Glauben angehören oder nicht: Die Weihnachtsgeschichte kann uns eine wichtige Botschaft geben. Sie zeigt uns, dass wir alle einer Gemeinschaft angehören; auch wenn diese in diesen Zeiten weniger zu sehen ist. Sie ist trotzdem da. Immer.
Auch der Grinch aus dem Film sucht die Gemeinschaft mit anderen. Er will Weihnachten stehlen, weil er sich aus der Gemeinschaft ausgeschlossen fühlt, weil er keine Geschenke bekommt. Der Grinch lernt im Laufe der Handlung, dass er Teil der Gemeinschaft ist, wenn er sich nicht selbst ausschließt und dass Weihnachten nichts mit den Geschenken zu tun hat, sondern damit, dass man mit den Menschen zusammen ist, die man liebt und die einen lieben. Menschen, denen man bedingungslos vertrauen kann. Dazu gehört es, aufeinander zu achten, einander zu achten.
In diesem Jahr ist alles anders, Weihnachten wird uns dadurch aber nicht gestohlen. Wir selbst haben es in der Hand, wir können uns entscheiden, Weihnachten neu entdecken oder uns selbst des Weihnachtsfests berauben.
In diesem Sinne wünschen wir euch allen „frohe Weihnachten“! Wir sind und bleiben eine Gemeinschaft!

(T. Söllner)

(Fast) jede Klasse hat in diesem Jahr einen Stern gestaltet, mit: Wünschen, wofür sie zur Zeit dankbar sind und worauf sie sich nach Corona freuen. Die Sterne hängen an der Glasfront der Schule. Die Fotos von ihnen sind nachfolgend zu sehen. (S. Harbich)


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