„Heut' Nacht holen wir die Bälle vom Dach“

Am Abend des 16. März zeigten die beiden Kurse DS des Jahrgangs 12 vor 250 Zuschauer/innen ihre Inszenierungen.


Herrn Nührigs Schüler/innen spielten dabei das im Kurs selbst verfasste Stück  „Heut‘ Nacht holen wir die Bälle vom Dach“. Das Bühnenbild dazu gestaltete eindrucksvoll ein Kunstkurs des Jahrgangs 12 unter der Leitung Herrn Godaus.

Vier riesige Briefumschläge mit den Aufschriften „Tod“, „Glück“, „Geborgenheit“, und  „Liebe“ hängen vor der Skyline einer Megacity.  Verbirgt sich hinter diesen vier Begriffen das, was auch heute noch in der modernen Welt der Wolkenkratzer das Leben ausmacht?

Der Herr (Jan Friedrich) jedenfalls möchte es wissen und schickt nach seinen vier Kindern, damit sie ihm nach hundert Jahren wieder einmal aus der Welt der Menschen berichten.  Aber seine drei Boten (Viktoria Wiegard, Catalina Adlers-Flügel und Lukas Peters) wissen doch: Der Herr hat fünf Kinder, und es gibt nur vier Briefe, zählt denn seine Tochter Mephista nicht mehr dazu? 

Einfach ist es nicht in der Welt der Götter und Menschen.  Die fünf Kinder des Herrn (Todd, God, Lucky, Lovelyn, Mephista) können zwar zaubern, retten und verführen. Letztendlich aber bleiben sie Außenstehende, denn geträumt, geliebt, gelitten und vergessen wird in der Welt der Menschen.

So versucht Todd (Tim Schauder), als Tod zwar erkennbar durch das Tragen einer großen Sense über seiner Schulter, ansonsten aber durchaus umgänglich und eher an Spielen auf seinem Smartphone interessiert als an der Verrichtung seiner Aufgaben, eine Fünfzehnjährige (Viktoria Wiegard) zu retten, die aus Liebeskummer und wegen der Faszination am eigenen Drama in einen Abgrund springen will. Dem Leben (Yasmin Loeper) möchte er damit zeigen, dass er auch so etwas  kann. Doch die Fünfzehnjährige versteht seinen Versuch gründlich falsch, nämlich als eine Art „Anmache“,  ist nun gar nicht mehr lebensmüde und beschimpft Todd in einem grotesk-witzigen verbalen Schlagabtausch. Fast um seinen Verstand bringt Todd aber erst ein durchgeknallter weiblicher  Fan (Catalina Adlers-Flügel), der den Tod fangen und in einen silbernen  Käfig sperren will, um mit ihm zu reden. Da hilft nur die Flucht. Gäbe es nicht seine umsichtige und charmante Sekretärin (Alexandra Wieczorek), die sich um ihn, aber auch um den zwar gerade erschossenen, jedoch im Reich der Toten wieder quicklebendigen Mafiosi (Jan Friedrich) kümmert, Todd müsste verzweifeln.

Gottessohn Lucky (Timo Polkehn) ermöglicht als Flaschengeist einem alten Mann (René Recke), sich wieder an seine Jugend und große Liebe zu erinnern.  Allerdings gab es auch im Leben des damaligen Paares (Cedric Karlisch und Kim Feldner) neben dem Glück auch eine Flut von Enttäuschungen und den Versuch der Selbstbehauptung, eindrucksvoll dargestellt in einer Art Marionettenspiel von Samah  El-Mahmoud und Viktoria Schulz.

Die sich aus der Welt der Himmlischen ausgeschlossen fühlende Mephista (Hannah Zielke) überredet einen verwöhnten Siebzehnjährigen (René Klaß) seine Eltern (Sophie Mounteney und Jan Firus) zu verlassen, um an der Seite einer verführerischen Schönen (Jana Behme) in einer zwielichtigen Discothek den Rausch der Drogen kennenzulernen. Als er nicht zahlen kann, wird er vom Diskobesitzer (Lukas Peters) verprügelt und auf die Straße geworfen.  Doch einem der Gottessöhne (Erik Anton)  gelingt es, den Eltern den Weg zum verlorenen Sohn zu zeigen.

Warum ein Lehrer (Alexander Wurzel)  zunächst so zornig darauf reagiert, wenn einer seiner Schüler im Unterricht Comics liest und dabei einschläft, zeigt die Szenenfolge  „Liebe“. Als Schüler war der Lehrer selbst ein Träumer und schickte Liebesgedichte an seine Angebetete (Michele  Knyhas), die sie aber leider alle zerriss. Seine Lehrerin (Elene Lerch) schleppte damals den Träumer  zum vertrottelten Schulleiter (Stefan Moock), dessen Sekretär (Tim Bartel) alle Aussagen des Chefs entweder wie ein Papagei wiederholt oder auf groteske Weise entstellt. Im Spiel erklärt sich, dass die Lehrerin nur deshalb so gnadenlos gegenüber ihrem Schüler auftrat, weil sie sich vergeblich selbst die Zuwendung ihres Sportkollegen (Nico Grigoleit) wünschte. Warum die von dem Schüler Angebetete alle Briefe zerriss, erfahren nur die Zuschauer/innen. Sie (Michele Knyhas) ist zugleich Lovelyn, die zweite Tochter des Herrn, sie kann zwar dabei helfen, dass die Gestalten in den Comics eines lesenden Schülers (Tim Bartel) zum Leben erwachen, aber auf die Liebesbeteuerungen eines Mitschülers (Alexander Wurzel) durfte sie sich nicht einlassen.  „Ein Dschinni darf sich nicht verlieben.“

Angeklagt vom Herrn versucht Mephista im Schlussbild ihre Taten zu rechtfertigen: Nur wer Leid erfahren hat und den Tod fürchtet, weiß, was Leben, Glück und Liebe bedeuten.

Das stimmt zwar vielleicht, doch die Liebenden (Cedric Karlisch, Kim Feldner)  beteuern, dass sie auch so wissen, was Liebe ist. Das letzte Wort im Stück haben die beiden sympathischen Trottel, der Schulleiter und sein Sekretär Norbert, die sich versprechen: „Heut ‘ Nacht holen wir die Bälle vom Dach!“  

Was im Himmel begann, wird geerdet. Für uns erfahrbar bleibt nur die Welt der Menschen, mit ihrem Streben nach  Glück, Geborgenheit, Liebe und ihren Versuchen, den Tod zu besiegen.  

In der Inszenierung zeigten sich viele beeindruckende schauspielerische Leistungen. Eine große Spielfreude und ein unbändiger Spaß an der Karikatur menschlicher Verhaltensweisen und Vorstellungen waren den Akteuren anzusehen.

Musikalisch stimmungsvoll verbunden wurden die Szenen am Flügel durch Hannah Zielke. Für die das Spiel unterstützende Licht- und Tontechnik zeichneten sich Joshua Metschulat,  Nils von Nethen,  Paul  Röttger, Felix Hentrich und  Jan-Mathis Korn verantwortlich.

Die 250 Zuschauer/innen spendeten der Aufführung der witzigen Satire sehr viel Beifall.

 

Klaus Nührig


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